Atja – Begegnung mit einem besonderen Kind

Unsere Atja war so, wie Landseer immer wieder beschrieben werden: verschmust, gemütlich, nicht aus der Ruhe zu bringen, aber für Leckerlis immer zu haben. Sie hat alles, was wir unternommen haben, immer mitgemacht, immer an meiner Seite oder in meiner Nähe. Ein Erlebnis mit ihr werde ich nicht vergessen und es berührt mich immer noch.

Atja war damals vielleicht 7 oder 8 Jahre alt. Weil wir auch noch Pferde hatten, waren wir viel draußen und es gab da immer etwas zu tun, während Atja es allerdings vorzog, auf dem Weg vor der Weide zu liegen und uns nur zu beobachten.

Ich war damit beschäftigt, Pferdeäpfel einzusammeln, als ich auf dem Weg eine Familie kommen sah, mehrere Erwachsene und mit Abstand dahinter einen etwa 5-jährigen Jungen, der mit einem Ast herumwedelte. Auch gemütliche Landseer sind eben Hunde, Atja setzte sich aus ihrer liegenden Position hin und sicherheitshalber ging ich los Richtung Weg.

Atja saß ganz still und regungslos und der Junge kam immer näher, blieb schließlich 2-3 m vor ihr stehen und senkte den Ast. Eine der Erwachsenen machte mir ein Zeichen nicht näher zu kommen. Also blieb auch ich stehen, immer mit Blick auf die Hündin, die zum Glück aus jeder Situation abrufbar war. Atja rutschte ganz langsam, fast im Zeitlupentempo im Sitzen immer näher an den Jungen heran, der schließlich den Ast fallen ließ und Atja ansah, die inzwischen direkt vor ihm saß. Nach kurzer Zeit hob der Junge seine Hand und legte sie auf Atjas Kopf, die weiterhin ganz stillsaß – Sekunden oder Minuten, ich weiß es nicht mehr. Als der Junge seine Hand von ihrem Kopf nahm, stand sie auf und ging ganz ruhig zu den Erwachsenen.

Diejenige, die mir das Zeichen gegeben hatte, brach in Tränen aus und erzählte: Sie war die Mutter und ihr Junge, den Namen weiß ich nicht mehr, war ein autistisches Kind, das bisher nur ganz ganz selten in seinem Leben von sich aus Kontakt zu einem Lebewesen aufgenommen hatte. Deshalb war die Begegnung mit und der Kontakt des Jungen zu Atja etwas ganz Besonderes.

Seitdem wünschte ich mir einen Landseer als Therapiehund.

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