Sonntagnachmittag gegen 15:00 Uhr, die beste Zeit zum Kaffeetrinken oder um einen kleinen Herbstspaziergang zu machen. Da klingelt das Telefon … am anderen Ende ist eine völlig aufgelöste junge Frau, weinend, so dass sie kaum zu verstehen ist. Sie berichtet und bittet um Hilfe:

Sie hat zufällig ohne große vorherige Planung ihren Vater besuchen wollen, der 150 km entfernt von ihr wohnt. Sie hat ihn angetroffen, auf dem Boden liegend, blutend, kaum ansprechbar. Und es konnte nicht geklärt werden, wie lange er schon so gelegen hat. Über den Notruf wurde er sofort ins Krankenhaus gebracht. Neben ihm allerdings der einjährige Rüde Newton, völlig verstört. Wie lange er unversorgt mit dem Verletzten war, war nicht mehr zu klären. Und ein weiteres Problem: Die Tochter ist mit Newton zwar spazieren gegangen, hat ihm Futter und Wasser hingestellt, kann ihn aber nicht mit zu sich nach Hause nehmen, was bedeutet, der Hund bleibt auf jeden Fall bis zum nächsten Tag ganz allein im Haus ihres Vaters.
Ihre Frage: Was soll sie machen? Können wir etwas tun?
Dringende Hilfe ist also geboten. In so einer Situation stellt das Nothilfe-Team private Interessen zurück und bespricht unmittelbar nach Eingang des Notrufs über eine Telefon-Konferenz, was unternommen werden kann, welche ersten Schritte notwendig sind. Newton muss schnellsten aus dieser Situation herausgeholt werden. Es gibt zwei Möglichkeiten: wir finden ganz schnell eine Pflegestelle, was für so einen jungen Hund das Beste wäre, oder wir bringen Newton in einer Hundepension unter. Kosten spielen erst einmal keine Rolle.
Es gibt unser kleines im Aufbau befindliches Netzwerk, es gab Reaktionen auf unsere Bitte um Mitarbeit. Und da gibt es Anke und Peter, die vor kurzem ihren Manni gehen lassen mussten, einen ehemaligen Nothund von uns. Einen weiteren Nothund wollen sie aus Altersgründen nicht mehr aufnehmen, aber als kurzzeitige Pflegestelle stehen sie zur Verfügung. Trotz Sonntagnachmittag rufen wir an und kurze Zeit später ist klar: Anke und Peter werden Newton für eine Übergangszeit übernehmen, am liebsten würden sie sofort losfahren. So schnell geht es nun doch nicht.
Die Übergabe findet am nächsten Tag statt, nachdem beide Seiten sich über etliche 100 km entgegengekommen sind. Dabei stellt sich heraus, dass Newton ein Hund mit einigen Problemen ist. Er ist nicht nur nicht erzogen, kaum ausgebildet, kennt nicht die Grundsignale, er hat auch physische Probleme, ist verwahrlost, läuft merkwürdig, knickt mit den Hinterbeinen weg, hat Schwierigkeiten Balance zu halten und kann nicht ins Auto springen, muss hineingehoben werden. Und er zwickt, um nicht zu sagen beißt Menschen und Gegenstände.
Bei Anke und Peter kommt Newton langsam zur Ruhe, lernt die ersten Ansagen verstehen und befolgen, auch wenn er dazu neigt, sich erst einmal zu widersetzen. Er genießt zum ersten Mal ein richtiges Hundedasein, das Draußensein im Garten und er lernt zu spielen.

In ständigem Kontakt mit uns kümmern sich Anke und Peter um Newton, geben ihm Sicherheit, die notwendigen und ersehnten Streicheleinheiten.
Inzwischen ist der Besitzer von Newton, der keine Papiere hat, wieder ansprechbar, hat aber kein Interesse mehr an Newton und auf Drängen der Tochter gibt er sein Einverständnis, dass wir Newton in ein neues Zuhause vermitteln dürfen.
Dann fährt Anke mit ihm zum Tierarzt und lässt ihn gründlich untersuchen. Weil eine HD vermutet wird, bringen Anke und Peter ihn in eine Tierklinik zum Röntgen. Das Ergebnis ist so niederschmetternd, dass wir alle tief erschüttert sind: schwere HD, jetzt bereits Arthrose, nicht nur die Hinterbeine, auch die Vorderbeine sind betroffen, die Wachstumsfugen, die sich bei einem gesunden Landseer erst mit etwa 18 Monaten schließen, sind bereits geschlossen und verknöchert, Veränderungen im gesamten Knochenbau und Schmerzen, immer Schmerzen …
Gibt es keine Hoffnung mehr? Würden Operationen und Physiotherapie vielleicht doch helfen? Kommt wirklich nur die letzte, endgültige Lösung in Frage? Geld sollte keine Rolle spielen. Wir sind uns sicher, dass der Verein mit Unterstützung aller Beteiligten und mit Hilfe von Spenden das stemmen kann. Aber die entscheidende Frage bleibt: Welche Lebensqualität bleibt für Newton? Wir sind zusammen mit Anke und Peter intensiv im Gespräch mit Tierärzten und einer erfahrenen Züchterin. Viele Tränen werden vergossen. Und am Ende – es tut uns allen so unendlich leid – wird gemeinsam die Entscheidung für den letzten Weg getroffen.
Inzwischen ist Newton über die Regenbogenbrücke gegangen … run free, Newton, ohne Schmerzen und Einschränkungen.
Ein ganz großes Dankeschön an euch, Anke und Peter, für euren Einsatz für Newton und für euer Engagement als Pflegestelle in der Landseer-Nothilfe.
Was ihr für Newton getan habt – unbezahlbar.
